Von Günther Nonnenmacher

15. Oktober 2008 Die russische Führung hat den Georgien-Krieg als großen militärischen Sieg gefeiert. Westliche Analytiker kommen zu einem anderen Urteil: Die russische Armee im Kaukasus hat die georgischen Streitkräfte zwar durch ihre schiere Masse überrollt, dabei aber Schwächen in der operativen Führung und bei der Ausrüstung offenbart.

Relativ schwere Verluste waren ein hoher Preis für diesen Sieg. Tatsächlich wird in Russland seit Putins Präsidentenzeit eine Armeereform propagiert, aber geschehen ist bisher nichts Durchgreifendes. Moskau konzentriert sich auf diejenigen Sektoren, in denen es mit Amerika „auf Augenhöhe" bleiben will, also auf die Rüstung mit Nuklearwaffen und Trägersystemen. Die konventionellen Streitkräfte sind Stiefkind geblieben, der Umbau zu einer stärker von Zeit- und Berufssoldaten geprägten Armee kommt kaum voran.

Jetzt soll wieder einmal die astronomische Zahl von Offizieren (335 000, fast ein Drittel aller Soldaten) und Generalen (1100) drastisch reduziert werden. Das wird wenig daran ändern, dass die russische Armee nur für das „nahe Ausland" bedrohlich ist.